Punktgewinn im Handball-Krimi

Der TV 05/07 Hüttenberg hat in der 2. Handball-Bundesliga die richtige Reaktion auf die Heimniederlage gegen den TV Emsdetten gezeigt. Nur drei Tage nach dem 30:34 im Sportzentrum Hüttenberg, wussten die Blau-Weiß-Roten in ihrem Auswärtsspiel gegen den Tabellenzweiten TuSEM Essen zu überzeugen. Beim 24:24 (13:11) in der Sporthalle „am Hallo“, bot der TVH dabei insbesondere in der Abwehr eine couragierte Leistung an und hatte in der Schlussphase vielleicht auch das nötige Quäntchen Glück, als Markus Stegefelt einen Siebenmeter zum späten Ausgleich verwandelte. Der einzige bittere Beigeschmack der danach noch blieb: Hüttenberg war am Freitagabend eigentlich gut genug, um den Auswärtssieg nach Hause zu bringen, doch in den letzten 10 Minuten ließ Essen – wie schon gegen Coburg – nicht locker und verdiente sich das Unentschieden. 

Starke Anfangsphase des TV Hüttenberg

Vor 2142 Zuschauern erwischte Hüttenberg gleich in der Anfangsphase den besseren Start. Ragnar Jóhannson warf für die Blau-Weiß-Roten zum 1:0 (2.) und 4:2 (10.) ein. Es sollte aber vor allem eine Partie der beiden Abwehrreihen werden. Nur 48 Tore fielen am gestrigen Abend auf beiden Seiten. Sowohl Emir Kurtagic, als auch sein Gegenüber Jaron Siewert, hatten ihre Mannschaft defensiv perfekt auf den Gegner eingestellt. Die Mittelhessen verteidigten an diesem 11. Spieltag in gewohnter Manier extrem offensiv und ließen den Rückraum der Hausherren kaum zur Entfaltung kommen. So auch beim 8:5 (15.), als sich der TVH das Spielgerät in der Abwehr erkämpfte und der Ball über Nikolai Weber und Björn Zintel bei Christian Rompf landete – die erste Drei-Tore-Führung für die Gäste.

Aber Essen ließ sich keineswegs abschütteln. Gestützt auf den souveränen Auftritt ihres Torhüters Sebastian Bliß – der sowohl Tobias Hahn, als auch Zintel einmal vom Siebenmeterpunkt scheitern ließ – kämpften sich die Nordrhein-Westfalen wieder heran. Beim 8:9 stellte Noah Beyer den Anschluss her. Doch Hüttenberg blieb weiter souverän: Zintel, der am Freitag wirklich überall zu finden war und das Angriffsspiel extrem belebte, hämmerte den Ball an zwei Gegenspielern vorbei zum 12:9 (27.). Kreisläufer und Kapitän Mario Fernandes sorgte mit seinem 13:11 für die TVH-Halbzeitführung.

Zintel und Jóhannsson mit 14 Treffern

Kaum wieder auf der Platte, war Essen hellwach. Ein Fehlwurf von Zintel und eine Parade von Bliß bedeuteten in der raschen Folge den 13:13-Ausgleich durch Luca Witzke (34.). Nun war es an Fabian Schomburg, der in der Pause für Weber in den Kasten gekommen war, die Führung für den TVH zu verteidigen. Mit zwei wichtigen Paraden brachte der Keeper wieder Ruhe in das Spiel und Zintel erzielte in der 46. Minute den erneuten 18:15-Vorsprung für die Gäste aus Hessen. Doch das man den TuSEM Essen niemals abschreiben sollte, bewies die kämpferische Schlussphase der Hausherren. Nach dem 19:21 (52.) von Jonas Ellwanger, unterband Rompf einen Konter des TuSEM und sah dafür seine dritte Zeitstrafe. Die Folge: Rote Karte für den Linksaußen und Siebenmeter für Essen. Weber ließ Beyer von der Linie scheitern, doch in Überzahl stellten die Gastgeber nur wenig später den 20:21-Anschluss her (54.).

„Natürlich hat uns diese rote Karte gegen Rompf geschwächt“, analysierte TVH-Cheftrainer Emir Kurtagic nach der Partie. „Christian hat bis dahin ein super Spiel gemacht, insbesondere in der Abwehr. Die dritte Zeitstrafe war aber berechtigt, genau wie die anderen zuvor auch. Leider haben wir uns danach im Angriff schwer getan und nicht mehr den richtigen Druck entwickeln können. Solche Schwächephasen gibt es.“

Essen verdient sich das Unentschieden in der Schlussphase

Hüttenberg warf nun alles nach vorne, doch Essen verteidigte aggressiv und brachte die Mittelhessen einige Mal in Zeitspielnot. Tomas Sklenák musste sich unter Druck den Wurf nehmen, scheiterte aber wieder an Bliß. Der anschließende Konter brachte den Gastgeber den 21:21-Ausgleich (55.). Die Mannschaft von der Margarethenhöhe präsentierte sich nun extrem kämpferisch und angetrieben von der lautstarken Unterstützung ihrer Zuschauer gelang Essen der späte Führungstreffer – 23:22 (59.). Auch nach ihrem letzten Angriff lag die Siewert-Sieben noch mit 24:23 in Front, doch Fernandes holte 10 Sekunden vor dem Ende noch einen Strafwurf heraus. Stegefelt trat an und verwandelte extrem sicher gegen Bliß. Den darauffolgenden Wurfversuch des TuSEM parierte Weber. Endstand: 24:24.

„Keine Frage, dass war eine deutlich bessere Leistung als noch am Dienstag. Speziell in der Abwehr haben wir das richtig gut gemacht und eine kampfbetonte Deckung gestellt“, so Kurtagic. „Wir haben es geschafft, dieses Spiel 45 Minuten lang gegen einen unangenehmen Gegner zu kontrollieren. Dass es am Ende noch einmal spannend wird, hatte mehrere Gründe: Einer war sicher, dass bei uns nach zwei Spielen in drei Tagen etwas die Kräfte nachgelassen haben. Wir können aus diesem Spiel viele positive Aspekte mitnehmen. Diesen Weg wollen wir jetzt weiter fortsetzen und meine Mannschaft muss sich vor jedem Spiel daran erinnern, dass wir in dieser Liga immer zu einhundert Prozent bereit sein müssen.“

Bereits am kommenden Wochenende steht für den TV Hüttenberg ein anstregender „Doppelspieltag“ in der 2. Handball-Bundesliga an. Am Freitagabend (9. November / 19:30 Uhr) empfangen die Blau-Weiß-Roten den TuS Ferndorf, ehe es am Sonntag auf die Reise zum HBW Balingen-Weilstetten geht.

Aufstellung TuSEM Essen: Bliß, Borchert; Beyer (3/2), Ellwanger (4), Witzke (3), Akakpo (2), Szczesny (3), Ridder, Müller (2), Frinhaber (1), Seidel, Klingler (2), Skroblien (3/1), Ingenpass, Zechel (1).

Aufstellung TV 05/07 Hüttenberg: Schomburg, Weber; Belter, Sklenák, Lambrecht, Rompf (3), Zörb, Fernandes (3), Jóhannsson (7), Stegefelt (3/2), Mubenzem, Hahn (1/1), Zintel (7/1), Klein.

Zeitstrafen: 2:8 Min. – Rote Karte: Christian Rompf (TVH/53.). – Siebenmeter: 3:4/4:6. – Zuschauer: 2142. – Schiedsrichter: Andreas Briese/Kim von der Beeck.

Foto: Marc Thürmer

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