“Die Vorfreude auf die Rückrunde ist sehr groß” – Emir Kurtagic im Interview

Die Vorbereitung auf die Rückrunde 2018/19 hat begonnen. Am Montag hat TVH-Cheftrainer Emir Kurtagic seine Mannschaft erstmals im neuen Handballjahr zum gemeinsamen Training in das Sportzentrum Hüttenberg gebeten. Direkt vorab die gute Nachricht: Alle Akteure, bis auf die Langzeitverletzten, sind fit und werden die kommenden drei Wochen bis zum nächsten Ligaspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen gemeinsam absolvieren.

Bislang kann der TV 05/07 Hüttenberg nach der abgelaufenen Hinrunde, sowie dem gewonnenen Rückrunden-Auftakt gegen den EHV Aue mit der bisherigen Leistung der eigenen Mannschaft zufrieden sein. Trotz großem Aderlass im Sommer, mit namenhaften Abgängen wie Matthias Ritschel und Dominik Mappes, haben es die Hessen geschafft, sich im Mittelfeld der Tabelle zu stabilisieren und mit 20:20 Punkten einen guten neunten Tabellenrang vor der WM-Pause zu erkämpfen.

Wir erwischen Emir Kurtagic am Donnerstagabend auf dem Weg zum Mannschaftstraining. Während sich draußen dunkle Wolken zusammenziehen und ein kalter Januarwind über die Gemeinde zieht, haben es die Blau-Weiß-Roten im Inneren des Sportzentrum Hüttenberg beinahe schon kuschelig warm. Für Kurtagic ist es die letzte Einheit der laufenden Trainingswoche, denn schon morgen geht es für den ehrgeizigen Trainer zum bereits dritten Mal zum Mastercoach-Seminar des deutschen Handballbundes. Es ist gleichzeitig das abschließende Modul der Veranstaltung, deren Absolventen mit einem Zertifikat ausgezeichnet werden.

Hallo Emir, als wir uns im letzten Jahr um diese Zeit gesprochen haben, wart ihr gerade in das Trainingslager nach Lovosice aufgebrochen. In dieser Saison bleibt ihr aber im Winter in Hüttenberg. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Emir Kurtagic:„Ich finde, wir haben in Hüttenberg optimale Vorrausetzungen für das Training und alles vor Ort was wir brauchen. Die Jungs können in ihren eigenen Betten schlafen und sind nicht weit weg von zu Hause. Ich bin sowieso ein Freund von einer Trainingsumgebung, in der sich meine Spieler wohlfühlen. Nicht, dass das im letzten Jahr in Lovosice nicht der Fall gewesen ist, aber wir haben auch in Hüttenberg tolle Möglichkeiten vernünftig zu trainieren und Gas zu geben.“

Zwei wichtige Vorbereitungstermine können sich deine Spieler bereits im Kalender eintragen: Am 25. Januar in Münster und eine Woche später gegen die MT Melsungen. Ansonsten trainiert ihr eher taktikspezifisch ohne Freundschaftsspiele gegen externe Gegner. Warum?

Kurtagic:„Zum Glück sind wir in der hervorragenden Situation, dass alle meine Spieler fit sind und der Kader im Januar komplett zusammen ist. Daher können wir die Zeit nutzen, indem wir allen Spielern ihre Einsatzzeit geben. Für mich ist das manchmal besser, als unbedingt eine Vorbereitungspartie zu absolvieren, in der nur zehn Spieler wirklich zum Einsatz kommen. Das Benefizspiel in Kelkheim haben wir, in Zusammenarbeit mit Daniel Wernig, schon seit letztem Januar versucht zu veranstalten. Schön, dass es jetzt geklappt hat. Gegen die MT Melsungen können wir dann eine Woche vor dem Ligastart noch einmal unter Wettkampfbedingungen testen.“

Was sind deine formulierten Ziele der Vorbereitung?

Kurtagic:„Unser Ziel muss es sein, dass wir weiter an unserer Stabilität arbeiten. Zum Schluss haben wir vor Weihnachten schon eine gewisse Konstanz feststellen können. Die Mannschaft hat zueinander gefunden und gezeigt, dass sie Spiele gewinnen kann. Nun wollen wir in allen Bereichen an unserer Feinabstimmung arbeiten und im Tempospiel weiter Gas geben. Davon wollen wir in den anstehenden 18 Spielen mehr profitieren, als das in der Hinrunde der Fall war.“

Was sind eure Ziele für die restliche Saison 2018/19?

Kurtagic:„Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Wir hatten bisher zwei Spiele, in denen wir wirklich unterlegen waren und haben ansonsten meist knapp mit einem Tor verloren oder Unentschieden gespielt und Punkte abgegeben. Natürlich ist man dann ein bisschen am mit sich selbst am hadern. Es hätte eine deutlich bessere Hinrunde werden können – trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, die wir als praktisch neu formierte Mannschaft hatten. Ich denke aber auch, dass mein Team in der nahen Zukunft diese Aufgabe annehmen wird. Die Vorfreude auf die Rückrunde ist innerhalb der Mannschaft sehr groß.“

Zum Auftakt erwartet ihr im Sportzentrum Hüttenberg am 9. Februar direkt die HSG Nordhorn-Lingen. Wie wichtig ist ein erfolgreicher Start in diesem Spiel?

Kurtagic:„Die Partie in Nordhorn war in der Hinrunde eines dieser beiden Spiele, in denen wir praktisch chancenlos waren. Da waren wir wirklich schlecht! Jetzt gilt es zu Hause das besser zu machen, was wir auswärts vermasselt haben. Wir wollen mit einer gewissen Stabilität in das Spiel gehen. Schließlich spielen wir zu Hause und haben die Qualität um Nordhorn zu schlagen. Es wird ein hartes Spiel werden, denn sie haben bisher eine sehr gute Saison gespielt. Dementsprechend hoch muss unsere Motivation sein, um erfolgreich in die Rückrunde zu starten.“

Innerhalb der Hinrunde haben wir beobachten können, dass du auch den jungen Spielern aus dem Nachwuchs ihre Chancen gegeben hast. Lässt sich auch in den nächsten Monaten damit rechnen?

Kurtagic:„Diejenigen die fit sind, sind auch in der Vorbereitung dabei. Allerdings muss man auch sehen, dass die Hinrunde gezeigt hat, dass die Jungs weit weg sind von der Fitness, die es eben für die zweite Liga braucht. Es ist meiner Meinung nach etwas auffällig gewesen, dass sie nicht die athletischen Grundvoraussetzungen hatten, um sich auf diesem Niveau dauerhaft zu präsentieren. Für uns als Trainerteam gibt es jetzt verschiedene Möglichkeiten: Zum einen müssen wir im unteren Bereich etwas unsere Arbeit intensivieren und gleichzeitig müssen sich die Jungs auch entscheiden, was sie denn wollen. Sie müssen insgesamt mehr in ihre Arbeit investieren, wenn sie wirklich in Richtung zweite Liga wollen. Das ist ein individueller Entwicklungsprozess. Ich werde aber jede Gelegenheit nutzen, sie weiter zu entwickeln, aber in erster Linie müssen sie für diese Herausforderung bereit sein.“

Was hat dir innerhalb der Hinrunde gut gefallen und was eher nicht?

Kurtagic:Gut gefallen hat mir vor allem der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Der war wirklich einwandfrei! Es gab nur wenige Situationen, bei denen ich von einem leichten Moralverlust sprechen könnte. Wir haben es geschafft, mit diesem guten Zusammenhalt aus unserer schwierigen Situation zu Saisonbeginn herauszukommen. Auch unsere Zuschauer konnten sehen, dass diese Mannschaft lebt. Natürlich hat sich jeder von uns diesen Saisonstart anders vorgestellt, aber das ist eben Bundesligahandball. Die zweite Liga ist eine harte Liga und andere Mannschaften machen dort die gleichen Erfahrungen wie wir. Ich hätte mir nur etwas mehr Konstanz gewünscht. Im Angriff haben wir sehr viele Chancen liegen gelassen und es uns unnötig schwer gemacht. Viele Spiele haben wir zudem eng verloren und das war in erster Linie unserer Chancenverwertung geschuldet. In diesem Punkt haben wir uns aber stetig verbessern können. Daher bin ich für die anstehenden Pflichtspiele optimistisch.“

 

 

 

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