26:24-Heimsieg nach irrem Handballkrimi gegen Balingen

Das Sportzentrum Hüttenberg hat in seiner jahrzehntelangen Geschichte schon viele Handballschlachten gesehen. Am Sonntagvorabend kam ein weiterer spannender Krimi hinzu, denn der TV 05/07 Hüttenberg schlug vor großartigem Publikum den Spitzenreiter der 2. Handball-Bundesliga – den HBW Balingen-Weilstetten – mit 26:24 (14:12) und lieferte dabei eine seiner besten Saisonpartien im „Hexenkessel Mittelhessen“ ab. Spielmacher Björn Zintel führte den TVH mit neun Treffern zum Heimsieg.

Dabei war die Ausgangslage vor dem schwierigen Heimspiel am „Doppelspieltag“ keineswegs ideal gewesen. Noch am Freitagabend hatten die Blau-Weiß-Roten eine deutliche Niederlage beim TuS Ferndorf hinnehmen müssen. Doch die Hüttenberger Mannschaft zeigte Charakter und einen unbändigen Willen, die Partie gegen den Favoriten für sich entscheiden zu wollen.

Schon in der Anfangsphase machte der TVH vor 1310 Zuschauern dabei einen richtig guten Eindruck. Björn Zintel sorgte mit dem 4:3 (8.) für die erste Hüttenberger Führung, ehe Markus Stegefelt die Hausherren per Siebenmetertreffer mit 7:5 (16.) in Front brachte. Die Blau-Weiß-Roten präsentierten sich – im Gegensatz zum Freitagabend – im Angriff in einer tollen Verfassung und setzten gegen die Defensive des HBW immer wieder Nadelstiche. Trotz Ausgleiches beim 8:8 durch ihren besten Schützen Oddur Gretarsson (10 Tore), gingen die Gäste vor dem Seitenwechsel nicht mehr in Führung.

TVH nimmt Führung mit in die Pause

Stattdessen stellten Moritz Lambrecht und Zintel in Überzahl nach einem erneuten Ausgleichstreffer auf 13:11 (26.) und das praktisch mit Würfen vom Anstoßpunkte oder eigenen Neunmeter, da Balingen seinen siebten Feldspieler nicht schnell genug zurück in das eigene Tor brachte. Zintel sorgte auch mit einem sehenswerten Schlagwurf auch für den 14:12-Halbzeitstand.

Zum Start des zweiten Durchgangs kam Balingen wütend aus der Kabine und war darauf aus, dass Heft nun in die Hand nehmen zu wollen. Rückraumspieler Rene Zobel stellte per Doppelschlag schnell wieder auf 14:14 (32.), aber Hüttenberg blieb abgezockt. Christian Rompf warf nach tollem Anspiel zum 17:15 ein (35.) und nur wenig später erhöhte der Routinier beim 19:16 auf drei Tore. Es folgte die letzte starke Phase des angeschlagenen Spitzenreiters, der innerhalb von acht Minuten wieder selbst beim 20:19 von Gretarsson in Front ging. Hüttenberg blieb in dieser Zeit ohne eigenen Treffer.

Mit neun Treffern erfolgreichster Hüttenberger Werfer am Sonntag – Spielmacher Björn Zintel. (Bild: Thürmer).

Doch wer dachte, dass Hüttenberg sich jetzt die Butter vom Brot nehmen lassen würde, der wurde eines besseren belehrt. Eindrucksvoll ging die TVH-Sieben ein weiteres Mal in Führung. Isländer Ragnar Jóhannsson brach auf der rechten Seite frei durch und steuerte per Bodenleger das 22:20 bei – nur zehn Minuten vor dem Ende.

In den letzten zwei Minuten hält es niemanden mehr auf den Plätzen

Aber die Gäste aus dem Baden-Württembergischen hielten weiter mit den Mittelhessen Schritt. Diogo Olivereia brachte den HBW beim 23:24 erneut auf ein Tor heran. Erst als Stegefelt per abgeknickten Sprungwurf das 25:23 (58.) erzielte, schien der TVH-Sieg zum Greifen nahe. Im Sportzentrum hielt es zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr auf den Sitzen. Mit ihren lautstarken Fans im Rücken setzte Hüttenberg zum großen Wurf an.

HBW-Trainer Jens Bürkle zog seine letzte Option und ließ nach Gregor Thomanns 24:25 (58.) seine Mannschaft in einer aggressiven Manndeckung verteidigen. Hüttenberg behielt aber auch dagegen die Nerven. Nach einer Glanzparade von Weber nahm Emir Kurtagic die Auszeit. In der Folge brachte Hüttenberg die Deckung der Gäste in Bewegung und ließ Tomas Sklenák frei durchbrechen, der die erlösende 26:24-Entscheidung markierte und danach in einer Jubeltraube unterging.

Im Stenogramm:

Aufstellung TV 05/07 Hüttenberg: Schomburg, Weber; Prieto, Uth, Sklenák (1), Belter, Lambrecht (5), Wernig, Rompf (2), Jóhannsson (3), Stegefelt (6/3), Chalepo, Mubenzem, Hahn, Zintel (9), Klein.

Aufstellung HBW Balingen-Weilstetten: Baumeister, Mrkva, Bozic; Zobel, Niemeyer, Flohr, Hausmann, Thomann, Friedrich, Nothdurft, Meschke, Gretarsson, Diebel, de la Pena, Oliveira, Saueressig.

Zeitstrafen: 6:10 Min. – Siebenmeter: 3/3:4/3. – Zuschauer: 1310. – Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff.

Stimmen zum Spiel:

Emir Kurtagic (TVH-Cheftrainer): „Meine Mannschaft hat Charakter. Die Jungs waren selber betroffen von der schwachen Partie in Ferndorf. Zum Glück hatten wir nicht lange Zeit, um über die Partie beim TuS zu reden, wenn wir mit Balingen eine der stärksten und sichersten Mannschaften der Liga zu Hause empfangen. Wir hatten in dieser Partie nichts zu verlieren, sondern wollten einfach nur ein gutes Spiel zeigen. Man darf auch nicht vergessen, dass der Gegner etwas angeschlagen hierhergekommen ist. Die Partie früher eindeutig zu gestalten ist uns nicht gelungen, da Balingen alles in die Waagschale geworfen hat und wir ein paar schwache Abschlüsse hatten. Ich gratuliere der Mannschaft für diese tolle Einsatzbereitschaft und natürlich will ich mich auch bei der Halle bedanken. Ich habe dem Team gesagt, dass sie die Zuschauer mitnehmen müssen und dieser Funke ist heute auch übergesprungen. Eine fantastische Unterstützung. Das hat uns sicherlich in der Schlussphase ein paar Körner verliehen.“

Jens Bürkle (HBW-Cheftrainer): Glückwunsch an Hüttenberg zu zwei heiß erkämpften Punkten Wir haben es heute nicht geschafft, so richtig das Spiel in unsere Richtung zu lenken. Wir hatten kurz nach der Halbzeit eine Phase zum 20:19 wo wir das Momentum auf unserer Seite und die Chance hatten, noch zwei Tore draufzupacken. Da kann ich meiner jungen Mannschaft allerdings keinen Vorwurf machen. In Drucksituationen wie heute kann der TVH da etwas befreiter aufspielen. Hüttenberg hat sich den Heimsieg durch ihr kämpferisches und couragiertes Spiel verdient.“

Björn Zintel (TVH-Spieler): „Wir waren nicht damit zufrieden, wie das Spiel am Freitag gelaufen ist. Das wollten wir nicht so stehen lassen. Direkt zwei Tage später wieder zu spielen ist für mich persönlich aber das Schönste was es gibt. Gegen einen tollen Gegner und zu Hause vor einer solchen Kulisse, macht es natürlich noch mehr Spaß. Wir hatten uns vorgenommen konzentriert in das Spiel zu gehen und dagegen zu halten. Das ist uns auch elungen. Am Ende haben wir uns für eine couragierte Leistung belohnen können. Kompliment an die Mannschaft.“

Bilder: Marc Thürmer

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