“Wir bauen eine Rakete” – Frederick Griesbach im Interview

Der neue Trainer des TV 05-07 Hüttenberg, Frederick Griesbach, spricht im Interview mit Kim Martin Heeß über seine Eingewöhnungsphase, das Verhältnis zwischen Spielern und Trainer sowie den schweren Saisonstart gegen Aufsteiger Konstanz. (auch als Audio verfügbar)

Frederick, wie hast du dich eingelebt?

Frederick Griesbach: Gut! Es sind ja verschiedene Ebenen, zum einen hat sich meine Familie gut eingelebt, alle Kartons sind ausgeräumt und auch im Garten haben wir schon angepflanzt. Handballerisch ging es deutlich schneller, da ich direkt am Arbeiten war. Letztlich haben wir ja auch alle die gleichen Interessen und sind sportbegeistert. Ich habe zudem den Vorteil, dass ich ungefähr so alt bin wie die Spieler. Wenn ich 70 Jahre alt wäre und die Spieler 30, gäb’s vielleicht mehr Probleme.

 

Aber ist das nicht auch ein Nachteil, da die Distanz zwischen Spielern und Trainer eventuell nicht gewahrt wird?

Frederick Griesbach: Es kommt natürlich darauf an, wie man es macht. So hat man es selbst in der Hand. Für mich ist es klar, dass meine Spieler und ich keine Freunde sind. Sie werden mich auch selten mit einem Bier in der Kabine sehen oder außerhalb der Halle treffen. Dort will ich gar nicht wissen, was sie machen. Früher waren die Spieler immer jünger als ich, da war es wie eine Vaterrolle. Man ist verantwortlich, dass sich die Jungs und Männer entwickeln. Nichtdestotrotz gibt es auch Situationen, da willst du einfach nicht wissen, was die Jungs treiben.

 

Es ist also kein Problem, wenn die Spieler bis zu acht Jahre älter sind als du?

Frederick Griesbach: Ich habe nicht das Gefühl. Gerade die Alten sind ja so erfahren, dass sie wissen, was Sache ist. Ich glaube, dass wir im Trainerteam sehr kommunikativ sind und auch versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Und das nicht diktatorisch autoritär, sondern strukturiert und sachlich. Und das können die Älteren wie auch die Jüngeren wertschätzen.

 

Es ist deine Premiere in der 2. Handball-Bundesliga. Wie groß ist der Unterschied zu vorherigen Aufgaben?

Frederick Griesbach: Grundsätzlich hat man vergleichbare Inhalte, auch die Intensitäten sind ähnlich. Es geht immer darum, sich optimal vorzubereiten – körperlich, taktisch wie auch mental. In der 3. Liga hatten wir teilweise sieben bis acht Wochen Vorbereitungszeit. Das nimmt dir den Zeitdruck und du kannst einzelne Dinge intensiver trainieren. Jetzt sind wir zeitlich etwas komprimierter, können aber dafür auch am Vormittag Einheiten einplanen. Man merkt schon den qualitativen Unterschied und auch die Rahmenbedingungen sind anders. Es gibt vieles, was besser ist, was Schlechteres habe ich noch nicht gefunden.

 

Mitte August startet die Saison mit dem DHB-Pokal, eine Woche später geht’s gegen Aufsteiger HSG Konstanz in der Liga los. Was erwartest du vom Saisonstart und auch vom Hüttenberger Publikum?

Frederick Griesbach: Ich war einmal inkognito da, bevor ich angefangen habe. Zum einen freue ich mich riesig darauf, dass es endlich los geht. Die Vorbereitung ist wie der Bau eines Raumschiffs: Wir bauen eine Rakete, man macht alles am Boden und versucht, so viel wie möglich richtig zu machen. Letztlich weiß man aber erst, ob es funktioniert, wenn die Rakete in der Luft ist. Der Start ist dann etwas richtig Besonderes. Ich glaube aber auch,dass es eine richtig schwere Aufgabe ist. Ich kann das wahrscheinlich mit am besten beurteilen, weil ich letztes Jahr viermal gegen sie gespielt habe. Zweimal in der Vorbereitung und zweimal in der Runde.

Jeder muss sich bewusst sein, dass wir mit dem maximalen Fokus daran gehen. Gerade das erste Spiel ist ein Spiel, in dem leider oder auch Gott sei Dank, alles möglich ist. Hier zählt nicht Aufsteiger oder Nicht-Aufsteiger. Im ersten Spiel zählt Herz, Leidenschaft und Einstellung. Wahrscheinlich auch mehr als Qualität. Aber das sind so oder so Eigenschaften, die wir uns zuschreiben wollen. Deshalb müssen wir Sie auf den Platz bringen. Es ist eine harte und spannende Aufgabe, aber auch eine schöne Aufgabe, gegen alte Konkurrenten zu spielen.

Das Interview zum Anhören:

 

Foto: Marc Thürmer

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