“Eine große Ehre”: Mario Fernandes und Tomáš Sklenák im Interview (Teil 1)

Im Gespräch: Mario Fernandes (28) und Tomás Sklenák (38), die beide nach jahrelanger Treue dem TV 05/07 Hüttenberg nach dieser Saison zumindest teilweise den Rücken kehren werden. Das komplette Interview gibt es auch als Audio-Podcast hier.

TEIL 1

Wie geht es euch in der aktuellen Situation?

Mario: Mir geht es soweit gut, auch gesundheitlich. Bislang haben wir das große Glück, im Bekanntenkreis und der Familie keinen positiven Corona-Fall zu haben. Von daher geht’s mir gut. Ich bin weitestgehend daheim, ist natürlich nicht ganz so schön aber in der aktuellen Zeit nicht zu vermeiden.

Tomáš: Ja, wir sind alle gesund, auch die Familie. Es ist eine schwierige Zeit und wir hoffen, sie ist schnell vorbei. Mit der Familie können wir uns treffen, andere Freunde aber nicht. Wir sind immer mit Mundschutz unterwegs. Langsam wird es schon schwer und ich hoffe, es geht bald etwas freier zu.

Habt ihr euch an den Mundschutz gewöhnt oder fühlt es sich noch befremdlich an?

Mario: Ja, ein bisschen befremdlich ist es schon. Die Oma meiner Frau hat vor ein paar Wochen schon mit der Produktion von Mundschutzen angefangen und wir haben welche bekommen. Die letzten paar Male einkaufen haben wir sie auch verwendet, es ist aber auch einfach ein seltsames Gefühl, mit Mundschutz und vielleicht sogar Handschuhen im Supermarkt zu sein.

Spannend auch zu sehen, wie lange das noch andauern wird. Wenn man mal nach Asien guckt, ist es ja mehr oder weniger Teil des Stadtbildes, in der Regel ja aus anderen Gründen. Man sieht ja oft die Bilder, dass die Menschen mit Mundschutz durch die Stadt laufen und ich bin gespannt, ob das bei uns hängen bleibt und zur Gewohnheit entwickelt.

Komplett vorbei ist jetzt der Handball und der Sport. Die Saison ist vorbei und alles bereits im April beendet. Wie geht es euch damit?

Tomáš: Naja, so viel frei habe ich nie gehabt (lacht). Im April keinen Handball zu spielen und zu warten, was kommt, ist schon eine komische Situation für uns. Ich hoffe, die neue Saison kann normal starten mit der Vorbereitung. Für uns Spieler war es komisch in letzter Zeit, kein Training zu haben und nur warten zu können, was passiert.

Mario: Auf jeden Fall, wobei bei mir die Situation eine andere ist. Mir fehlt der Handball schon seit November seit meiner Verletzung und der OP. Daher fehlt mir der Handball schon etwas länger. Aber klar ist es komisch, wenn du nicht jedes Wochenende ein Spiel hast oder nicht in die Halle kannst. Ich habe das große Glück, dass ich bei unserem Reha-Trainer Peter auf Rezept noch trainieren darf. An meinem Trainingsrhythmus hat sich nicht viel geändert, aber klar, es ist schon sehr seltsam ohne Handball.

Mario, nach zwölf Jahren verlässt du als Kapitän den Verein. Wie ist deine aktuelle Gefühlslage?

Mario: Ist schon seltsam einerseits. Es war eine extrem lange Zeit, zwölf Jahre im Verein und elf Jahre in der ersten Mannschaft, das ist schon krass. Wenn man überlegt, was in zehn, elf Jahren passiert oder passiert ist. Ich glaube so richtig realisieren werde ich es erst, wenn dann die Vorbereitung losgeht und ich irgendwie in einer anderen Halle stehe als in der Sporthalle Hüttenberg. Das Gefühl ist schon bisschen komisch aktuell, dass man jetzt weiß, ok, das ist jetzt vorbei. Aber ich glaub so richtig einsetzen wird das dann nochmal, wenn es dann richtig losgeht und man dann so realisiert, man ist wirklich wo anders und nicht mehr in Hüttenberg.

Jetzt bist du noch nicht ganz weg, aber ich glaube, dass du immer wiederkommen kannst, als jemand, der so viele Jahre beim TVH war.

Mario: Ja, auf jeden Fall. Elf Jahre in der ersten Mannschaft zu spielen ist über ein Drittel meines Lebens. Ich werde immer ein Fan des TV Hüttenberg bleiben und das ganz genau verfolgen, was da passiert. Und wenn ich Zeit habe, mich im Sportzentrum blicken lasse. Und ja, ich hoffe auch und glaube, dass die Tür beim TV Hüttenberg in Zukunft immer offen ist und inwiefern sich dann die Wege kreuzen. Man wird sehen, was die Zeit so bringt.

Skleny, du bist noch ein paar Jahre älter und hast jetzt 15 Jahre in Deutschland Profihandball gespielt. Jetzt mit 38 wird es ein bisschen weniger. Wie fühlst du dich mit der Entscheidung?

Tomáš: Klar, die Entscheidung war auch wegen meiner Familie, das war mir wichtig. Wir haben oft und lange über die Zeit gesprochen. Es geht auch um die Schule meiner großen Tochter. Klar, ich wollte noch weiterspielen und jetzt ist die Frage, was kommt mit der aktuellen Zeit. Es war nicht so einfach für mich. Aber ich muss sagen, es war einfach eine geile Zeit, egal ob die zehn Jahre in Eisenach oder die fünf Jahre in Hüttenberg – es war genial für mich. Das war für mich eine große Ehre, die fünf Jahre für Hüttenberg zu spielen.

Man muss sagen, dass eine Ära zu Ende geht, denn auch Moritz Lambrecht wird nicht mehr für den TVH auflaufen. Was denkt ihr, inwieweit ist das ein großer Umbruch in Hüttenberg?

Tomáš: Ich finde, Gigi und Lambe spielen so lange für Hüttenberg, das ist eine unglaubliche Zeit. Die zwei Jungs auf der Platte haben immer alles gemacht, egal ob verloren oder gewonnen. Es ist schon eine Ära – schon in meinen fünf Jahre mit allen Jungs, die weggegangen sind. Das war so eine große Familie. Es wird schwierig, dass wiederaufzubauen. Ich weiß nicht, ob Hüttenberg das schafft, so etwas erneut zu schaffen.

Mario: Es ist schwer zu sagen, man findet auf jeden Fall Argumente dafür, dass man sagt, dass es ein Einschnitt ist oder eine Ära. Aber ich sehe auch die Jungs wie z.B. Johannes Klein, Moritz Zörb oder Merlin Fuß. Lambe und ich haben damals auch einfach die Chance bekommen als halt Leute aufgehört haben, bei denen es hieß: „Oh! Die waren aber lange hier und haben super Leistungen gebracht“. So ist es halt im Sport, es werden immer wieder junge und neue Leute kommen und hoffentlich dann auch wieder so viel Erfolg haben oder so lange dabei sein wie wir es waren. Ich glaube es ist so ein bisschen der normale Lauf der Dinge. Wir werden sehen, was passiert, aber ich drück den Jungs und dem Verein die Daumen, dass ihnen das gelingt. Dass sie so eine, wie Skleny gesagt hat, Familie wieder etablieren.

Wie geht es euch mit dem Gedanken, aufgrund der Corona-Krise keinen richtigen Abschied am letzten Spieltag zu bekommen?

Tomáš: Für mich ist es ein komisches Gefühl. Ich wollte einen geilen Abschied mit den Jungs absolvieren, jetzt ist einfach alles vorbei. Aber ich hoffe, dass wir noch einen Tag finden, wo wir uns treffen können. Ich wollte mit den Fans am Ende der Saison feiern, jetzt haben wir schon fast zwei Monate frei. Ich glaube wir sind so eine Familie, wir werden einen Tag für unseren Abschied finden.

Mario: Wie Skleny schon sagt: Es ist ein komisches Gefühl. Zumal finde ich, dass die Art und Weise, wie in der Vergangenheit Spieler in Hüttenberg verabschiedet werden oder wurden, für mich ein Stück weit einzigartig ist. Ein Stück weit auch das, was Hüttenberg ausmacht. Habe ich so sonst in keiner anderen Halle gesehen, dass nach dem letzten Spiel noch so lange nach dem Spiel wirklich noch so lange Reden gehalten werden, Geschenke überreicht werden und einfach die Zuschauer auch in der Halle bleiben. Ist ja nicht so, dass dann nach einer halben Stunde die Leute sagen: „Das wird mir aber langweilig ich habe kein Bock mehr.“ Da ist die Halle ja bis nachts um elf, zwölf noch gerammelt voll, alle bleiben. Das ist schon was Schönes, was dieses Jahr leider so nicht stattfinden kann. Aber wie Skleny schon gesagt hat, werden wir sicherlich einen Tag finden, wo wir sowas nachholen können. Wir alle nochmal zusammenkommen und wir uns von den Fans und den Mitspielern vernünftig verabschieden können.

Das komplette Interview als Podcast-Audio gibt es bereits hier zu hören.

(Aus Gründen der Lesbarkeit wurden in der Transkription des Interviews u.a. Füllworte etc. entfernt)

Foto: Marc Thürmer

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