Schmerz gleich Erfolg!

Seit 2019 streift Dominik Plaue das Torhütertrikot des TV 05/07 Hüttenberg über. Vor kurzem hat der 25-Jährige seine Vertragsverlängerung über zwei weitere Jahre beim TVH verkündet und wird somit auch in Zukunft das Tor des Handball-Zweitligisten hüten. In diesem ausführlichen Interview gewährt uns „Domi“ einen Einblick in das Torhüterleben und sprach unter anderem über seinen Mental-Trainer, seine Beziehung zu Welthandballer und frischgebackenen Weltmeister Niklas Landin und verrät, ob sein aktueller Gespann-Partner Niko Weber nach seinem Karriereende ans Telefon geht, wenn Dominiks Nummer aufleuchtet.

Hallo Dominik, du hast deinen Vertrag beim TV 05/07 Hüttenberg um zwei weitere Jahre verlängert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?

Plaue: „Zuerst möchte ich mich bei Fabian, der sportlichen Leitung und unseren Trainern für das Vertrauen bedanken. Ich habe mit Johannes einen Trainer, der mir zu 100% vertraut und das gibt mir unwahrscheinlich viel Sicherheit. Dann hat die Familie natürlich eine ganz große Rolle gespielt. Es ist das erste Mal seit 8 Jahren, dass ich keine 6 Stunden zu meinen Eltern fahren muss, sondern nur 40 Minuten. Mit meiner Freundin Ida habe ich ebenfalls einen ganz großen Rückhalt. Hinzukommt, dass ich hier in Hüttenberg Freunde fürs Leben gefunden habe. Das alles hat bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt. Ich fühle mich hier beim TVH einfach wohl. Mir wird großes Vertrauen geschenkt und ich möchte das zurückgeben.“

Die Saison verlief bisher turbulent beim TVH. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Plaue: „Sehr turbulent. Wir sind im Soll. Natürlich wären mehr Punkte möglich gewesen, aber meine Mannschaft hat sich in der ersten Saisonhälfte enorm entwickelt. Wir haben eine gute Mannschaft und es kann hier was richtig Gutes entstehen. Wir sind noch lange nicht fertig.“

Torhüter benötigen andere Fähigkeiten als ein Feldspieler. Was zeichnet in deinen Augen einen starken Rückhalt aus?

Plaue: „Sehr viel Erfahrung. Jeder Torhüter ist ja auch unterschiedlich. Aber wenn ich mich mit Niko unterhalte, fällt oft der Satz: „Das kommt mit der Erfahrung“. Sicherlich gehört viel mehr dazu als ausschließlich Erfahrung. Du musst das Vertrauen zurückgeben können und musst mental stark bleiben. Egal was im Spiel passiert. Jede Situation ist neu.“

Mentale Fähigkeiten sind schwer messbar. Wie trainierst du diese?

Plaue: „Ich arbeite seit meinem 18. Lebensjahr mit meinem Mentaltrainer Martin Steinbach zusammen. Er und das Hypnose Zentrum Nord begleiten mich seit meiner Zeit beim THW Kiel. Wir arbeiten viel mit Hypnose. Ich meditiere häufig zuhause und versuche auch ganz viel zu visualisieren. Ich telefoniere regelmäßig mit Martin und lasse mir kurze Impulse geben. Wenn wir tiefer in das Thema gehen würden, wären wir noch ein paar Stunden beschäftigt.“

Torhüter werden oft als verrückt oder andersdenkend bezeichnet. Wie bewertest du diese Aussage?

Plaue: „Ach komm, Kreisläufer bekommen 60 Minuten auf die „Schnauze“ gehauen (lacht). Aber ja, da gehe ich mit. Wenn du dich freiwillig mit 120 Km/h abwerfen lässt, kannst du nicht ganz „knusper“ sein. Aber wie sagte mein alter Torwarttrainer: „Schmerz gleich Erfolg.“ Ich bin glücklich ein bisschen verrückt zu sein.“

Der Position wird eine sehr hohe Bedeutung zugewiesen und ein guter Torhüter oft als die „halbe Miete“ deklariert. Übertriebene Ansicht oder berechtigte Gewichtung?

Plaue: „Absolut richtig. Das Torwartspiel ist in den letzten Jahren noch mal wichtiger geworden. Man sieht es immer wieder. Spiele gewinnst du nur mit guten Torhütern, oder verlierst sie eben mit schlechten. Ich sage bewusst Torhüter, weil immer zwei dazugehören. Wenn der eine einen schlechten Tag hat, sollte der andere gut drauf sein. Aber auch wir sind nur Menschen und haben auch mal einen schlechten Tag, jedoch ergänzen sich Niko und ich richtig gut.“

Torhüterroutinier Gorazd Škof hat in einem Sky-Interview davon gesprochen, dass 80% der Torhüterleistung aus Beinarbeit besteht. Pflichtest du ihm bei oder siehst du andere Schwerpunkte?

Plaue: „Er spielt schon ein bisschen länger und das auch nicht gerade schlecht. An der Aussage ist definitiv was dran. Ich habe mit unserem Athletiktrainer auch meinen Plan ein bisschen umgestellt, der sehr Bein lastig ist. Natürlich ist die Beinarbeit wichtig aber auch eine gute Hand-Augen-Koordination ist nicht zu vernachlässigen.“

Hast du ein Vorbild, an dem du dich orientierst oder dessen Spielweise du bewunderst?

Plaue: „Ja. Ich hatte die große Ehre, mit Niklas Landin zusammen zu spielen. Ich habe mir damals viel von ihm abgeschaut. Ich schreibe viel mit ihm, um mir Tipps zu holen. Ich setze mich auch zwei bis drei Mal die Woche an meinen Laptop und analysiere seine Spiele. Ich achte auf Situationen, die identisch sind mit meinen und in denen ich nicht so gut ausgesehen habe. Zudem schaue ich, wo er vielleicht auch mal Fehler macht, auch wenn das eher selten vorkommt. Seine Spielweise ist sehr elegant. Bei ihm passiert nichts durch Zufall und über 60 Minuten strahlt er eine absolute Ruhe aus.“

Dein Gespann-Partner Niko Weber beendet seine große Laufbahn nach der Saison mit 40 Jahren. Was konntest du von ihm mitnehmen?

Plaue: „Er bekommt jetzt mal einen großen Blumenstraß, den er sich auch redlich verdient hat. Ich habe viel von Niko gelernt. Sei es das eingesprungene „T“ oder das eingesprungene „I“, oder auch mal im Punktspiel ein bisschen Spaß in die kurzen Gespräche zu bringen. Ich habe von Niko vor allem eins gelernt. Es ist egal was passiert, bleib dir treu und mach dein Ding. Das habe ich in den letzten Monaten versucht umzusetzen und das hat auch gut geklappt. Das kommt aber wieder mit der Erfahrung, meinte er und die hat man mit 40 eher als mit 25. Niko hat mir oft in den Allerwertesten getreten, wenn ich auch mal nicht so motiviert war. Er hat mich nach Trainingseinheiten aufgemuntert und mir nach einem schlechten Spiel Mut zugesprochen. Er hat mit mir Spiele analysiert und mir dann gesagt, dass nicht immer alles schlecht ist, auch wenn man selber sehr hart mit sich ins Gericht geht. Ich nehme von Niko auch viele witzige und grandiose Geschichten aus seiner Profikarriere mit. Niko ist ein großartiger Mensch und ein großer Sportler. Ab Sommer habe ich ihn nicht mehr direkt an meiner Seite und er hat auch schon gesagt, dass er nicht rangeht, wenn ich ihn anrufe (lacht). Ich bin bereit, seinen Posten einzunehmen und möchte auch eine Vorbildfunktion für die jungen Spieler einnehmen. Ich habe viel von ihm gelernt und bin bereit, den nächsten Schritt zu machen.“

Wie schauen deine persönlichen Ziele für die nächsten zwei Jahre beim TVH aus?

Plaue: „In erster Linie möchte ich mich weiterentwickeln, denn ich bin noch lange nicht am Ende. Man hat in Kiel ein bestimmtes Gen mit in die Wiege gelegt bekommen. Hört sich für Außenstehende immer bekloppt an, ist aber so. Wenn du einmal erlebst, wie es sich anfühlt, Titel zu gewinnen, macht dich das süchtig nach mehr. Ich bin bereit die Nummer Eins zu sein und möchte konstante Leistungen zeigen. Ich möchte noch mehr zum Leistungsträger und Führungsspieler werden. Der Verein hat einen großen Namen im deutschen Handball und ich möchte dem Verein helfen, so erfolgreich wie nur möglich zu sein.“

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